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Prof. Pastor Helmut Nausner - Vorsitz 1965-67

Meine Zeit im Ökumenischen Jugendrat 1960-67

Die Zeit als Vorsitzender ist eine Episode. Es gibt ein Vorher und ein Nachher. Mein Interesse für Ökumene und mein Engagement in ihr hat 1956 begonnen. In diesem Jahr habe ich zusammen mit einer schwedischen Lutheranerin ein ökumenisches Aufbaulager in Ried i. I. geleitet. Pfarrer Ernst Gläser (Evangelische Kirche A.B.) war damals zuständig für die Aufsicht ökumenischer Aufbaulager in Österreich. Die gute persönliche Beziehung und eine an der Sache (und das war immer der Auftrag der Kirche und die gesamte Ökumene) orientierte Art der Zusammenarbeit hat durch alle Wechselfälle des Lebens gehalten. Ich habe meine Arbeit als Pfarrer der Evangelisch-methodistischen Kirche im Jahre 1959 begonnen. Seit 1960 habe ich als Vertreter meiner Kirche im Ökumenischen Jugendrat (ÖJR) mitgearbeitet. Im gleichen Jahr bin ich zum Jugendpfarrer in meiner Kirche gemacht worden. Zwischen 1965 und 1967 bin ich Vorsitzender des ÖJR gewesen. Schon vor meiner Zeit als Vorsitzender habe ich ökumenische Studienlager initiiert und im Auftrag des ÖJR in Zusammenarbeit mit Pfarrer Michael Wohlmuteder (Evangelische Kirche A.B.) zwischen 1962-1965 durchgeführt. In diesen Studienlagern ging es darum, mit jungen Menschen in einem ökumenischen Zusammenhang Grundfragen des christlichen Glauben und des christlichen Lebens zu studieren und zu besprechen. Das Studienlager 1965 hat zum ersten Mal in einem römisch-katholischen Bildungshaus (St. Hippolyt in St. Pölten) stattgefunden. Das ist damals ein Schritt über eine Grenze gewesen, die bis dahin peinlich eingehalten worden ist.

Im Jahre 1965 ging das 2. Vatikanische Konzil in Rom zu Ende. Es hat für die Römisch-katholische Kirche eine neue Ära in der Beziehung zu den anderen christlichen Kirchen eröffnet. In diesem Jahr hat die Zusammenarbeit mit der Katholischen Jugend in Österreich begonnen. Die Katholische Jugend in Österreich hat diese Chance sofort wahrgenommen, natürlich mit Zustimmung des zuständigen Bischofs. Sie kam zunächst als Beobachterin und ist im Jahre 1967 volles Mitglied im ÖJR geworden. Die österreichische Bischofskonferenz ist erst am 1.12.1994 Mitglied im Ökumenischen Rat geworden. Die Katholische Jugend hat diesen Schritt fast dreißig Jahre früher vollzogen. Das sind für uns alle sehr aufregende Zeiten gewesen. Plötzlich haben wir mit römisch-katholischen Christen offiziell zusammenarbeiten können, was kurz vorher von beiden Seiten, unerwünscht, ja verboten gewesen ist. Und das erste gemeinsame Projekt ist es gewesen, in Graz ein ökumenisches Jugendtreffen zu veranstalten. Die Zusammenarbeit hat keine Schwierigkeiten gemacht. Wir haben gemeinsam die Finanzierung gesichert, damit viele Jugendliche wirklich teilnehmen konnten. Ich selber habe zum ersten Mal mit römisch-katholischen Bischöfen verhandelt; es ist für mich aufregend, aber auch sehr befreiend gewesen. Es sind erstaunlich viele Jugendliche aus allen Mitgliedskirchen nach Graz gekommen und wir haben drei sehr intensive Tage in Graz verbracht: Gottesdienste, Arbeitsgruppen, Unterhaltung, Diskussionen. Der Abend mit Maxi Böhm wird mir immer in Erinnerung bleiben. Maxi Böhm, damals ein sehr bekannter Kabarettist, hat sich von der Jugend engagieren lassen. Maxi Böhm ist Mitglied der Evangelischen Kirche H.B. gewesen. Sein Pfarrer, Alexander Abrahamovicz, hat ihn nicht lang überreden müssen. Maxi Böhm hat Eindruck gemacht. Das ökumenische Jugendtreffen ist ein weit sichtbares Zeichen gewesen, aber es hat keine Fortsetzung gefunden.

Im Herbst 1967 habe ich meine Funktion als Jugendpfarrer in meiner Kirche niedergelegt und damit auch meinen Platz im ÖJR für meinen Nachfolger geräumt. Ich habe ab 1967 meine Kirche im Ökumenischen Rat der Kirchen in Österreich vertreten. Mein ökumenisches Engagement hat sich auf einer anderen Ebene fortgesetzt.

Stand: Juli 2006

Vorsitzende des ÖJR
Geschäftsordnung 1959

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