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Matthäus 23, 1-12
Sonntag, 30. Oktober 2005
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Gedanken zum Text

Am Anfang des Textes spricht Jesus metaphorisch vom »Lehrstuhl des Moses«. Damit ist die eigentliche Aufgabe der Pharisäer gemeint, das Gesetz des Moses zu verkünden und zu erklären. Das Gesetz wurde auch von Jesus als bindend betrachtet.

In ihrer Kenntnis über die Heilige Schrift übertrafen die Pharisäer ihre Mitmenschen. Da sie jedoch nicht zur Bescheidenheit und Liebe zu ihrem Volk tendierten, blieb das Verhältnis zwischen Jesus und den Pharisäern gespannt. Die Pharisäer, die Jesus hier ansprach, vernachlässigten das Sittlich-Religiöse zugunsten des Formal-Juristischen. Damit stand ihr Verhalten weder mit dem Gesetz im Einklang, noch waren sie Vorbilder für ihr Volk.

Die »schweren Lasten« für seine Mitmenschen, die Jesus hier anspricht, sind nicht die alttestamentlichen Vorschriften, sondern Einzelgesetze, die von der Thora abgeleitet worden und für jeden Menschen verbindlich waren. Die eigentliche Absicht der Rabbinen war es, die Befolgung der Gesetze sicher zu stellen. Doch sie waren zu sehr in ihrer eigenen Tradition behaftet und bereiteten ihrem Volk durch all diese Vorschriften ein sehr schwieriges Leben. Jesus denkt an die Mitmenschen, die diese Verordnungen teilweise nicht kennen und nicht erfüllen können. Die Pharisäer allerdings sahen auf diese Menschen herab. Sie hielten sich vom einfachen Volk fern und betrachteten die Menschen als Sünder.

Jesus kritisiert die Selbstliebe und Selbstdarstellung der Pharisäer. Anstatt Gott zu verherrlichen, streben sie nur nach dem Ansehen der Menschen und machen dieses Ansehen von ihrer Position und nicht von ihrem Handeln abhängig. Durch das Ansprechen der »breiten Gebetsriemen« weist Jesus auf religiösen Hochmut hin, denn der Träger von besonders breiten Gebetsriemen galt als besonders fromm.

Das Wort Rabbi oder Meister in Vers 8 drückte eigentlich die Bezeichnung der Arbeit des Gegrüßten aus, allerdings begann der Begriff zur Standesbezeichnung bzw. zu einem Titel zu werden.

Jesus kam es auf das Innere seiner Zuhörer an. Er wollte den Jüngern nicht grundsätzlich verbieten, von anderen als Meister angesprochen zu werden, sondern er wies sie an, von ihrer Seite nichts zu tun, um Ehrenbezeichnungen oder Titel zu erhalten. Sie sollten nicht auf die Anerkennung ihrer Mitmenschen aus sein, aufgrund ihrer Freundschaft zu Jesus, sondern aufgrund ihres täglichen neuen mitmenschlichen Verhaltens. Der Ausdruck Brüder bezieht sich auch auf das Verhältnis der Jünger untereinander und zu allen, die Jesus nachfolgten.

Der Text endet mit zwei Sprüchen über die Demut. Nur die Hingabe an Gott verleiht dem Menschen einen Wert. Alles andere kann erst nach dieser folgen. Das Streben nach der Anerkennung von anderen Menschen wird zum Irrweg.

Methodisch-didaktische Hinweise

Beispielerzählung

Eine junge Frau wohnt in einem Mehrparteienhaus. Die ältere Dame unter ihr beschwert sich öfter, dass ihre Musik viel zu laut ist und dass am letzten Abend mal wieder viel zu laut geredet wurde, außerdem zieht der Zigarettenrauch immer in ihr Fenster usw.

Irgendwann hat die junge Frau genug von den Beschwerden. Sie gestaltet ihr Klingelschild um. Vor ihrem Namen ist jetzt ein Dr. zu lesen. Postwendend hören die Beschwerden auf. Sie wird von allen Parteien freundlich gegrüßt und auch die ältere Dame unterhält sich im Stiegenhaus sehr freundlich mit ihr.

Ist so etwas möglich?

Von dieser oder einer ähnlichen Beispielerzählung kann ausgegangen werden. Daran anschließend folgt eine

Titelsuche

In Österreich gibt es nach wie vor verschiedenste Titel, die im täglichen Leben immer wieder genannt werden. Gehe ich beispielsweise zu meiner Ärztin, werde ich nicht mit meinem Namen, sondern mit »Frau Magister« angesprochen.

Die Jugendlichen könnten auf Titelsuche gehen.

Danach sollte der Bibeltext in den Mittelpunkt rücken und die Frage »Sollten Titel grundsätzlich abgeschafft werden?«

Eine weiterführende Frage kann sein: »Sollte ich, so ich einen Titel habe, diesen nicht sichtbar machen, um dem Bibeltext zu entsprechen?«

Autorin

Die sehr verehrte gnädigste Frau Mag. theol. Katja Eichler von der Evangelischen Hochschulgemeinde ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Religionspädagogik der Evangelisch-Theologischen Fakultät in Wien :-)

25.06.2006nach oben