Matthäus 13, 44-52
Sonntag, 24.7.2005
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»Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Schatz « Jesus spricht immer wieder vom Himmelreich: »Selig, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden, denn ihnen gehört das Himmelreich.« (Mt 5,10)
»Nicht jeder, der zu mir sagt: ›Herr! Herr!‹, wird in das Himmelreich kommen, sondern nur, wer den Willen meines Vaters im Himmel erfüllt.« (Mt 7,21)
Er sagte: »Womit sollen wir das Reich Gottes vergleichen, mit welchem Gleichnis sollen wir es beschreiben? Es gleicht einem Senfkorn. Dieses ist das kleinste von allen Samenkörnern, die man in die Erde sät. Ist es aber gesät, dann geht es auf und wird größer als alle anderen Gewächse und treibt große Zweige, sodass in seinem Schatten die Vögel des Himmels nisten können.« (Mk 4,30-32)
»Als Jesus das sah, wurde er unwillig und sagte zu ihnen: Lasst die Kinder zu mir kommen; hindert sie nicht daran! Denn Menschen wie ihnen gehört das Reich Gottes. Amen, das sage ich euch: Wer das Reich Gottes nicht so annimmt, wie ein Kind, der wird nicht hineinkommen.« (Mk 10,14-15)
»Als Jesus von den Pharisäern gefragt wurde, wann das Reich Gottes komme, antwortete er: Das Reich Gottes kommt nicht so, dass man es an äußeren Zeichen erkennen könnte. Man kann auch nicht sagen: Seht, hier ist es!, oder: Dort ist es! Denn: Das Reich Gottes ist (schon) mitten unter euch.« (Lk 17,20-21)
Das Bild vom Himmelreich ist für uns heute oft das vom Leben, was uns nach dem Tod erwartet. Jesus selbst spricht aber nicht nur von einem Reich, das in ferner Zukunft anbrechen wird. Das Reich ist mitten unter uns. Mit Jesu Geburt, Leben und Tod hat dieses Reich begonnen.
Als Christen sind wir mit unserer Taufe in dieses Reich hineingenommen. Wir sind Bürger dieses Reiches geworden. Dies gibt uns nicht nur eine grosse Hoffnung, es heisst auch Verantwortung und Sorge für dieses Reich.Wie sollen wir denn nur Bürger dieses Reiches sein? Gute Frage. Sehen kann man es nicht, anfassen kann man es nicht. Und da ist es doch. Oder? Fühlen konnen wir das Reich Gottes. Und wissen können wir es. Ja, sogar finden konnen wir das Reich Gottes. Wo? Zum einen im Anderen. In jedem Gegenüber. Es muss nicht die sonntägliche Messe sein, es reicht schon die Haltestelle auf dem Weg zur Schule. Was gibt mir die Gewissheit, Vertrautheit anderer, von welchen ich nichts weiter kenne als einen Blick? Kein Gesetz, kein »weil ich eben aus Höflichkeit aufstehe, weil man das eben so macht«, sondern das Gefühl, mich selbst im Anderen zu sehen, ja, den Anderen und mich selbst verbunden zu sehen in einer Gemeinschaft, die anders ist. Anders, weil ihre Gesetze und Regeln nicht geschrieben stehen - oder ich sie zumindest nicht kennen muss, um sie zu kennen. » denn das Reich Gottes ist nicht Essen und Trinken, es ist Gerechtigkeit, Friede und Freude im Heiligen Geist.« (Röm 14,17) schreibt Paulus an die Christen im Rom. Was sollten die Römer damit anfangen? Ist das Himmelreich nicht, wie Jesus Christus selbst in Gleichnissen beschreibt, in seiner Gegenwart besonders im gemeinsamen Mahl angebrochen? Vielleich würde uns der Text weiterhelfen, wenn wir ergänzen würden, wenn wir Paulus lesen würden, als hätte er » nicht nur Essen und Trinken « geschrieben. Paulus weist hier über unsere Welt hinaus auf das Reich Gottes, welches mehr ist als unsere alltägliche Welt unfasst, allerdings in unserer Welt zu finden ist, ja, zu finden sein muss. Was bliebe uns denn, wenn wir nicht mehr nach dem Mehr, dem Besonderen im Anderen suchen würden? Wir können erstens gar nicht anders. Schon wenn ich mich verliebe, macht die Liebe nicht nur blind, sondern sie lässt micht auch Seiten in meinem Partner finden, die niemand sonst sieht. Im Reiche Gottes werden wir uns mit anderen Augen, ja, mit dem Herzen ansehen. Wir werden Anderes sehen, mehr sehen. In dieser Welt bleibt uns nicht anderes, als weiter den Acker Gottes zu pflügen und auf den Schatz zu hoffen - von dem wir allerdings sicher wissen können, dass wir ihn finden werden.
» denn das Reich Gottes ist nicht Essen und Trinken, es ist Gerechtigkeit, Friede und Freude im Heiligen Geist.« (Röm 14,17) Das ist nicht nur eine Feststellung, eine Umschreibung. Es ist auch ein Auftrag im Kleinen wie im Grossen. Gerechtigkeit und Frieden sollen wir in unserem Alltag, im Miteinander Hier und Jetzt Wirklichkeit werden lassen, vor allem in unserem nächstem Umfeld, aber auch darüber hinaus. Wir leben heute in einer vernetzten Welt, die Distanzen verschwinden lässt. Die Bilder heute von den Anschlägen in London sind mir nahe gegangen und haben für mich den Auftrag das Reich des Frieden hier und heute Wirklichkeit werden zu lassen erneut bewusst gemacht. Die Kampagne Make Poverty History, welche die Mitglieder des G8-Gipfels in Edinburgh dazu bewegen soll, Afrika Schulden zu erlassen, fordert uns - gerade auch als Christen - auf, unsere Stimme hörbar zu machen. Gerechtigkeit und Friede sind keine Ideale, die am Ende der Tage Realität werden. Es sind die Früchte des Reiches, an denen man uns erkennen wird.
Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen in Christus Jesus, Amen.
Lied Da berühren sich Himmel und Erde
Fragen zur Reflexion
Dazu als weiterer Anstoß: Mt 13,14-20, Mt 20,1-16, Mt 22,2-14
Clara Ginther schreibt in Dublin an ihrer Doktorarbeit in r.k. Theologie.