Markus 4, 35-41
22.6.2003
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Sturm bricht an. Der Himmel verdunkelt sich. Der Wind entfaltet seine Kräfte, das Wasser seine Macht. Mitten drin ein Boot, mit dem die Wellen spielen. Wasser überflutet die Planken, drückt das Boot immer weiter nach unten.
Auf dem Boot Jesus, der den Schlaf der Gerechten schläft, seine Jünger von Panik erfasst, kopflos, zu Tode geängstigt. Sie Wecken ihren Meister und mit einem Satz von ihm kehrt Stille ein. Sein Wort an die Jünger gerichtet: »Warum habt ihr solche Angst? Habt ihr noch keinen Glauben?«
Wenn ich mir so die Werbung im Fernsehen ansehe, dann wird vor allem Sicherheit versprochen, sei es ein Auto, eine Versicherung, ein Deo ... Auf alle Eventualitäten vorbereitet sein. Sicherheit als Lebensqualität.
Doch für mich macht gerade das Überraschende das Leben aus. Im Glauben unterwegs zu sein, heißt sich im Vertrauen auf Jesus auf den Weg zu machen, sich dessen gewiss zu sein, daß Gott für uns Sorge trägt, auch in den stürmischsten Zeiten. Das heißt Sicherheiten aufzugeben, nicht alles liegt in unserer Hand, nicht alles läßt sich von uns kontrollieren. Das ist für mich ein Teil der befreienden Botschaft des Glaubens. Ich kann meinen Teil beitragen, versuchen das Schiff auch in stürmischen Zeiten so gut ich kann auf Kurs zu halten. Ich habe die Gewissheit, daß ich mich immer an Ihn wenden kann, wenn es meine Kräfte übersteigt und daß er Sorge für mich trägt.
Das ist nicht immer leicht in turbulenten Zeiten. Man verliert die Orientierung, ist kopflos wie die Jünger, von Angst erfasst. Gottes Zusage ist größer als blindes Vertrauen in ihn. Er ist der Gott der da ist, in Jesus ist er uns unendlich nahe. Er ist ansprechbar, an ihn können wir uns wenden jederzeit. Aus früher christlicher Zeit ist uns der Ausspruch überliefert: »Unruhig ist unser Herz bis es ruht in Dir.« Wenn wir uns an ihn wenden, unsere Sorgen und Ängste in seine Hand legen, schenkt er uns einen Raum der Stille, die Möglichkeit neue Kraft zu schöpfen, neue Perspektiven zu entwickeln., durchzuatmen. Der Sturm legt sich für eine Weile und wir können die Segel neu ausrichten. Meist tun wir das unbewußt, wenn wir in kritischen Momenten solche Floskeln wie »Herr im Himmel« oder »Oh Gott« verwenden. Vielleicht schaffen wir es diese Floskeln hin und wieder auch bewusst zu sagen und uns ihm anzuvertrauen.
Clara Ginther schreibt in Freiburg an ihrer Doktorarbeit in r.k. Theologie.