Unser Text besteht aus zwei Teilen und ist die Fortsetzung der vorhergehenden Emmausgeschichte. Zuerst erscheint Jesus bei den Jüngern. Sie reagieren mit Entsetzen und Ungläubigkeit. Es wird davon gesprochen, dass sie dachten, er sei ein Geist. Jesus zeigt ihnen Hände und Füße und ermutigt sie, ihn anzufassen. Er möchte ihnen zeigen, dass seine Erscheinung Hand und Fuß hat. Erst als er etwas Fisch isst, glauben sie, dass er es wirklich ist.
Lukas versucht so sich mit der Kritik an den Glaubenden auseinanderzusetzen. Schon damals gab es wohl Zweifel an der leiblichen Auferstehung Christi. Deshalb hier die starke Betonung auf die Leiblichkeit Jesu.
Der zweite Teil der Perikope spricht von der Sendung der Jüngerinnen und Jünger, um Menschen die Liebe Gottes in Jesus Christus zu verkündigen. Diese Sendung gilt auch uns.
Immer mehr Menschen glauben nicht mehr an die Auferstehung. Viele wissen ja gar nicht mehr, was wir an Ostern feiern. Wie auch immer wir uns die Auferstehung Jesu vorstellen, sie ist biblisch bezeugt. Die Begegnung mit dem Auferstandenen wendet noch einmal das Leben der Frauen und Männer, die mit Jesus gelebt haben und die sich nach seinem Tod verwirrt, enttäuscht und verzweifelt verstecken. Sie müssen etwas erlebt haben, was ihr Leben total veränderte, denn sie beginnen nun von Jesus und seiner Auferstehung zu erzählen. Sie beginnen, das Leben Jesu neu zu sehen und zu interpretieren. Sie verstehen plötzlich vieles, was Jesus ihnen gesagt hatte. Sie verstehen, dass er Heil bringt und Liebe. Jetzt auf eine andere Weise, als vorher, als er noch mit ihnen zusammenlebte.
Indem Lukas die Leiblichkeit Jesu auch nach seiner Auferstehung betont, macht er klar, dass er ein Mensch aus Leib und Blut gewesen war. Die Jüngerinnen und Jünger begegnen keinem Geist, sondern dem Menschen Jesus. Seinen Tod zu akzeptieren bringt zu der Frage nach Gott. Ist Gott gescheitert? Gott gibt Christus aus Liebe dem Tod preis (Joh 3, 16) und so bleibt die Frage nach unserer Liebe im Raum stehen. Es liegt an uns, sie zu beantworten.
Gottes Liebe überwindet auch den Tod. Wenn wir an die leibliche Auferstehung glauben, dann meint das auch unseren Körper. Zwar in einer anderen Form - und in welcher wissen wir nicht - doch unser ganzes Leben mit Körper, Geist und Seele vollendet sich, wenn wir sterben. Deshalb ist der Körper auch so wichtig. Nicht in der Weise, wie wir es heute eingebläut bekommen - schlank, braun, getrimmt, faltenfrei, perfekt - sondern als Geschenk, mit dem wir uns auch ausdrücken und vermitteln können. Wenn es um unser Heil geht, geht es immer um Körper, Geist und Seele in ihrem Zusammenhang.
Das Leben in Fülle, das uns von Christus verheißen und zugesagt ist, meint uns in unserer Ganzheit. Es ist nichts voneinander Getrenntes.
Von der Fülle an Themen, die in diesem Text aufscheinen, möchte ich nur zwei aufgreifen.
Pastorin Anke Neuenfeldt von der Evangelisch-methodistischen Jugend ist Jugendreferentin in Wien