Das Judentum zur Zeit Jesu kannte (genauso wie heute) verschiedene Richtungen. Eine davon waren die Pharisäer; sie werden in den Evangelien oft erwähnt. Es gab aber auch die Sadduzäer, die - wie in der Bibelstelle gesagt - nicht daran glaubten, dass der Mensch nach dem Tod auferstehen wird.
Die angesprochene Ehegeschichte kommt uns heute etwas unheimlich vor. Damals war es üblich, dass der Bruder eines verstorbenen Ehemannes die Witwe, so sie keine Kinder hatte, quasi übernahm. Mehreren Seiten kam so eine Schwagerehe zugute: Der Verstorbene bekam Nachkommen (zumindest sah man das so) und damit rechtmäßige Erben. Die Witwe war vor dem sozialen und finanziellen Abstieg gerettet, durch Kinder war auch die Altersversorgung gesichert.
Den Sadduzäern ging es darum, Jesus und seinen Glauben an die Auferstehung mit einer komplizierten und gleichzeitig lächerlichen Fallgeschichte aufzumachen nach dem Motto: »An die Auferstehung zu glauben ist ja nett. Aber hast du dir schon einmal überlegt, welch ein Palawatsch (= Durcheinander) herauskommt, wenn eine Frau sieben Männer gehabt hat? Das funktioniert einfach nicht, das mit der Auferstehung.«
Jesus antwortet sehr umfassend und überhaupt nicht ironisch. Auferstehung ist nicht einfach die Fortsetzung des irdischen Lebens, sondern in der Welt der Auferstehung herrschen andere Bedingungen: Der Mensch braucht dann keine Nachkommen mehr zu zeugen, um gleichsam in ihnen fortzuleben, denn er lebt ja selber ewig. D.h. die angesprochene kinderlose Witwe braucht im Himmel nicht mehr zu heiraten. Interessant ist, dass Jesus die eigentliche Frage »Wessen Frau wird sie nun bei der Auferstehung sein?« gar nicht beantwortet.
Dann versucht Jesus die Sadduzäer mit ihren eigenen Waffen zu schlagen. Er beruft sich justament auf jene Schriften, die die einzigen sind, die die Sadduzäer anerkennen, nämlich auf den Pentateuch (= Genesis, Exodus, Levitikus, Numeri, Deuteronomium). In Ex 3,6 offenbart sich Gott gegenüber Mose als der Gott seines Vaters (»ein Mann aus einer levitischen Familie« [Ex 2,1]) und als Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs. Dabei geht es nicht darum, dass diese vier Persönlichkeiten zu ihren Lebzeiten Jahwe als ihren Gott bezeichnet haben, denn das würde bloß ein Faktum der Vergangenheit sein, sondern Gott sagt, dass er zum Zeitpunkt des Sprechens mit Mose für diese vier Gott ist, was voraussetzt, dass sie leben. Daher heißt es abschließend: »Er ist doch kein Gott der Toten, sondern der Lebenden.«
Gott hat uns nicht dazu erschaffen, dass wir irgendwann wieder verschwinden, sondern er geht das Risiko ein, uns ewig zu haben. Er wird uns nicht mehr los, und er will uns auch nicht mehr loswerden. Das ist Liebe. Wäre es nämlich anders, dann wäre das, was ein Mensch hervorgebracht hat, oft langlebiger als er selber. Tausende Jahre später lesen wir immer noch die Werke von Homer; er selber hat aber nur ein paar Jahrzehnte gelebt. D.h. Dinge oder Ideen würde dann eine längere Lebenszeit beschieden sein, als einem Menschen. Wenn das der Wille Gottes wäre, müsste man ihn allein aus Selbstachtung heftig bekämpfen.
Das Leben als Auferstandene ist nicht einfach die Verlängerung eines Lebens unter den Bedingungen »dieser Welt« (vgl. Vers 34), sondern es handelt sich um eine Qualitätssteigerung. Die Unterschiede sind:
Die Reihung der angegebenen Methoden/Texte ist zufällig. Sie hängen nicht zusammen, jede bzw. jeder steht für sich selbst.
Bildung von Paaren, Aufstellung hintereinander (der/die Hintere verkörpert Gott), der/die Vordere kann die Augen schließen, der/die Hintere kann die Hände auf die Schultern des/der Vorderen legen, dann liest jemand langsam den folgenden Text:
Hinter dir steht jemand, der dich sehr mag.
Er mag deine Augen, deine Nase, deinen Mund.
Er mag deine Haare, deine Haut.
Er mag deine Arme und Hände, deine Beine und Füße.
Er mag deine Vorderseite und deine Hinterseite.
Hinter dir steht jemand, der dich sehr mag.
Er mag dich, wenn du redest und wenn du schweigst.
Er mag dich, wenn du gehst und wenn du einfach dastehst.
Er mag dich, wenn du Gutes tust und wenn du Mist baust.
Er mag dich, wenn du an ihn glaubst und wenn du an ihm zweifelst.
Hinter dir steht jemand, der dich sehr mag.
Er mag dich, wenn du sanftmütig bist und wenn du zornig bist.
Er mag dich, wenn du konsequent bist und wenn du alles laufen lässt.
Er mag dich, wenn du eifrig bist und wenn du faul bist.
Er mag dich, wenn du vertrauensvoll in die Welt blickst und wenn du skeptisch bist.
Hinter dir steht jemand, der dich sehr mag.
Er mag dich, wenn du vor Glück die Welt umarmen könntest
und wenn du dich am liebsten verkriechen möchtest.
Er mag dich, wenn du geistreich und witzig bist
und wenn du schlecht drauf bist.
Er mag dich, wenn du souverän und selbstsicher durchs Leben gehst
und wenn du an dir selber zweifelst und dir alles misslingt.
Er mag dich, wenn du fröhlich bist und lachst
und wenn dir die Tränen kommen.
Hinter dir steht jemand, der dich sehr mag -
jetzt und in alle Ewigkeit.
Nach einer Stille werden die Hände von den Schultern genommen und die Augen geöffnet. Man kann - mit getauschten Positionen - den Text wiederholen.
Man hört sich das Lied Nie genug von Christina Stürmer an. (Wenn man Titel und Namen im Internet in Suchmaschinen eingibt, findet man den Text.)
Dann Gespräch über die eigene Sehnsucht nach Leben und darüber, was bzw. wer aller dazu beiträgt, sie zu erfüllen. Dabei kann die Frage entstehen, wieweit die irdische Welt die Erfüllung leisten kann oder ob etwas offen bleibt.
Man liest den Text das könnte manchen herren so passen von Kurt Marti. (Wenn man Titel und Namen im Internet in Suchmaschinen eingibt, findet man den Text.)
Dann Gespräch darüber, wie das ewige Leben sein wird bzw. wie man es sich vorstellt. Eventuell stößt man auch auf Vers 35 aus der Bibelstelle: »Die aber, die Gott für würdig hält, ...« Wie sieht so ein der Auferstehung würdiges bzw. unwürdiges Leben aus?
Markus Muth ist Bundesjugendseelsorger der Katholischen Jugend Österreich