Lukas 13, 1-9
Dritter Fastensonntag, 14. März 2004
zur Übersicht
»Wenn ich wieder von vorne anfangen könnte!«, denke ich mir oft. Ob nach einer verpatzten Prüfung, einem misslungenen Gespräch, einem Tag, an dem einfach alles schief zu gehen scheint, ... viele Situationen fallen mir ein. Und manchmal bekommt man eine zweite Chance. Warum bekommen wir sie? Ist da jemand wie der Weingärtner, dem wir scheinbar viel bedeuten und der versucht, die Schuld nicht bei uns zu suchen, der auch das Umfeld betrachtet und an uns glaubt?
Öfters aber bekommen wir indirekt eine zweite Chance. Immer dann, wenn jemand anderer seine Chance verspielt hat, und wir es bemerken und uns dann ändern. Wenn es uns auffällt, dass etwas nicht gut ist, bekommen wir die Chance, es bei uns besser zu machen.
Der Feigenbaum ist ein sehr schönes Bild in meinen Augen. Er soll süße Früchte tragen, aber momentan erfüllt er seine Aufgabe nicht. Der Mensch sagt dann, dass er nutzlos ist, und nur den Platz, das Wasser und den Boden verschwendet. In seinen Augen ist er nicht brauchbar für die Gesellschaft.
Und dann gibt es noch den Weingärtner (Gott), dem sicher auch schon aufgefallen ist, dass der Feigenbaum keine Früchte trägt. Trotzdem verteidigt er ihn und gibt ihm eine letzte Chance. Der Baum weiß jetzt, was mit ihm passieren wird, wenn er im nächsten Jahr noch immer keine Früchte trägt. Aber er weiß auch, dass er nicht alleine gelassen ist. Dass da jemand ist, der ihm helfen will. Wenn ich mich ändern will, dann bekomme ich Unterstützung.
Ist das nicht eine schöne Aussicht?
Sylvia Berger ist Vorsitzende der Katholischen Jugend Österreich.