Für uns Menschen ist die Sprache wohl das wichtigste Mittel zur Verständigung untereinander. Menschen müssen miteinander reden, wenn sie Botschaften weitergeben wollen, wenn sie Konflikte klären, Wissen vermitteln, Geschäfte abschließen, Aktionen starten, Beziehungen vertiefen wollen.
Etwas aussprechen heißt immer auch, etwas verbindlich machen. Das ausgesprochene Wort ist für andere nachvollziehbarer als das gedachte, es ist überprüfbar und damit einforderbar. Ein gegebenes Wort ist nicht mehr so leicht rückgängig zu machen, es legt fest.
Der knappe Einleitungstext ins Johannesevangelium beschreibt die Grundstruktur menschlicher Kommunikation: Da ist zuerst der Gedanke, eine Idee: »Wort« heißt nämlich in der griechischen Übersetzung logos und bezeichnet damit die Absicht, die gleichsam hinter dem Wort steht. Diese Idee muss in Worte gefasst werden, dann kann sie konkrete Gestalt annehmen, Fleisch und Blut werden. Und so wird ein Wort zwischen Menschen wirksam - es »wohnt« unter uns, es treibt uns an und um, es gibt unserem Verhalten eine bestimmte Richtung. Das Wort der/des einen ruft fast automatisch die Ant-Wort der/des anderen hervor - auch wenn letztere nicht ausgesprochen wird.
So einfach das System erscheint, so schwierig ist die Praxis: Worte bleiben immer mehrdeutig. Gut gemeintes kann schlecht aufgenommen werden. Kommunikation birgt jede Menge an Missverständnissen in sich. Was unter uns »Fleisch wird«, kann möglicherweise gegen die ursprüngliche Idee gerichtet sein. Miteinander reden verlangt demnach viel Aufmerksamkeit füreinander und Achtsamkeit in der Wahl der Worte.
Auch Götter und Göttinnen haben immer mit den Menschen gesprochen, vor allem auch deshalb, um eine Beziehung aufzubauen oder aufrecht zu erhalten. Dies geschah (und geschieht) auf unterschiedliche Weise. In direkter Form (z.B. im Traum, in einer Vision, ...) oder über besondere Boten (z.B. Prophet(inn)en ...). Menschen haben es von Anbeginn an versucht, das Wort der GöttInnen zu verstehen und zu deuten. Die Praxis der Religionen spiegeln diese Versuche wider, mit Gottheiten in Kontakt und damit auch in Kommunikation zu kommen. Denn der Mensch will um sein Schicksal wissen - und will es natürlich auch günstig beeinflussen. Das, was »Fleisch« unter uns wird, soll jedenfalls unser Leben zum Guten wenden.
Mit Mädchen und Buben:
Die Gruppenmitglieder werden zu einem Wortwahl-Experiment eingeladen. Die dahinterliegende Erfahrung ist, dass wir in unserem Reden miteinander immer wieder draufkommen, dass wir etwas sagen - und es eigentlich anders gemeint haben. Die Übung soll helfen, genau zu formulieren, was wir uns denken und den anderen mitteilen wollen.
Der erste Teil ist eine Phase der Einzelarbeit. Jedes Gruppenmitglied bekommt ein Arbeitsblatt, auf dem zwei, einander zugewandte Köpfe von Menschen skizziert sind, wobei jede(r) der beiden mit einer Gedanken- und einer Sprechblase versehen ist. Die Mädchen und Buben werden aufgefordert, sich eine konkrete Situation vorzustellen und dazu das Arbeitsblatt in vier Schritten zu beschriften:
Ausgangspunkt ist eine Notiz in der Gedankenblase der ersten Figur:
Was habe ich jetzt vor? Was möchte ich der/dem anderen mitteilen?
Dann folgt die Formulierung einer passenden Mitteilung in der Sprechblase der ersten Figur:
Das sage ich jetzt der/dem anderen!
Darauf erfolgt eine erste Reaktion in der Gedankenblase der zweiten Figur:
Was hört sie/er? Was kommt bei ihr/ihm an? Was denkt sie/er sich dazu?
Schließlich die Antwort in der Sprechblase der zweiten Figur:
Das antwortet sie/er darauf!
Die Vorgabe für diese Übung kann unterschiedlich sein und von den Mädchen und Buben frei gewählt werden, z.B.:
Der zweite Teil dieser Übung besteht dann darin, dass sich die Mädchen und Buben wieder in der Runde versammeln und ihre Gedanken und Sprechtexte einander vorstellen. Dabei kann gemeinsam überlegt werden, ob es in dem einen oder anderen Fall auch andere Reaktionen geben kann, bzw. ob und wie manche Absicht anders aufgenommen wird, wenn sie anders formuliert wird ...
Otto Kromer ist Bildungsreferent der Katholischen Jungschar Österreichs.