Christen reden vom Heiligen Geist. Alles, was heilig ist, gehört zu Gott. Der Heilige Geist ist unverzichtbar, unberechenbar. Er ist Geist von Gott. Er ist Kraft, Bewegung, Beunruhigung.
Ohne Heiligen Geist - kein Leben. Ohne Heiligen Geist - kein Glaube. Ohne Heiligen Geist - keine Kirche.
In unserem Bibeltext konnten die Jünger plötzlich von dem reden, was ihnen lebenswichtig war. Was ihnen ein Anliegen war vor allem anderen. Die Jünger machten eine gemeinsame Erfahrung, die nicht von ihnen selbst ausging.
Sie spürten eine Kraft, die Menschen verschiedener Herkunft, verschiedener Bildung, Interessen und Erwartungen zusammen führte. Die diese Menschen aufhorchen und verstehen ließ. In Kultur und Sprache blieben sie einander fremd, aber sie wurden verbunden durch die Botschaft, die sie gehört und verstanden hatten.
Im Pfingstwunder verstanden die Menschen die Botschaft der Apostel. Der Heilige Geist führt die Menschen zusammen, er wirkt einheitsstiftend. Eine neue Gemeinschaft entsteht. Die Kirche.
Die Kirche ist eine Institution, die Strukturen hat und den Menschen verfügbar wird. Aber sie gründet sich auf ein Geschehen, das unplanbar war. Und die Kirche rechnet mit weiteren Ereignissen, die nicht vorhersehbar sind.
Der Geist wirkt im Gebet. Paulus schreibt: »Denn wir wissen nicht, was wir beten sollen, wie sich's gebührt; sondern der Geist selbst vertritt uns mit unaussprechlichen Seufzen« (Röm 8, 26). Auch in Situationen des Zweifels, in Situationen, in denen wir uns von Gott nicht begleitet fühlen, wirkt der Geist der Gnade. Er schenkt Vertrauen inmitten des Zweifels, Zuversicht inmitten aller Fragen. Doch der Geist ist nicht nur Bindeglied zwischen Gott und dem Glaubenden. Er will Früchte tragen und dazu gehört in erster Linie die Nächstenliebe.
»Der Wind bläst, wo er will, und du hörst sein Sausen wohl; aber du weißt nicht, woher er kommt und wohin er fährt. So ist es bei jedem, der aus dem Geist geboren ist« (Joh 3, 8). Im Hebräischen und Griechischen steht für »Wind« wie für »Geist« das gleiche Wort. Das Wirken des Geistes Gottes lässt sich also mit der Ungebundenheit des Windes vergleichen.
Hier lässt sich die Frage stellen: »Was bedeutet für dich der Ausspruch: ›Der Wind weht, wo er will‹?« Mit Kindern können zu diesem Thema Windräder gebastelt werden.
In unseren Unterrichts- und Kindergruppen, die aus Kindern verschiedener Herkunft bestehen, ist es möglich, einen Satz in verschiedenen Sprachen aufschreiben zu lassen oder ein Plakat mit verschiedenen Sprachen der Schüler/innen einer Klasse zu gestalten. Trotz des Bewußtseins der Verschiedenheit der Sprache und Kultur kann ein Fest der Gemeinschaft gefeiert werden, in welchem der Geburtstag der Kirche angesprochen wird.
Außerdem eignen sich Aufbruchsgeschichten, die von dem/der Leiter(in) oder den Jugendlichen erzählt werden. Als Einstimmung in das Thema kann folgende Meditation genutzt werden:
Zwei Poller im Hafen - ein Schiff fest vertäut - Sicherheit - Schutz - doch dann irgendwann: Wind kommt auf - Leinen lösen - Anker lichten - Aufbruch zu fernen Ländern - Erwartungen - Vorfreude - Unsicherheit - auf dem Weg: ruhige See - Sturmwinde - Flaute - Orkane - Klippen - Eisberge - Angst - Herausforderungen - neue Erkenntnisse und später: Einlaufen in einen anderen Hafen - neue Menschen - neue Ladungen - Ruhe - Geborgenheit manchmal in schmalen Einfahrten: Untiefen und unübersichtliches Gebiet: ein Lotse, der das Gelände kennt - Hilfe - Sicherheit.
Ein Schiff, genau wie wir:
Katja Eichler von der Evangelischen Hochschulgemeinde ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Religionspädagogik der Evangelisch-Theologischen Fakultät in Wien.