»Wes des Herz voll ist, des geht der Mund über ...« ein altes Sprichwort benennt, woran man jemanden gut erkennen kann, die/der von einer Sache begeistert ist. Dann blitzen die Augen, dann rötet sich die Stirne, dann werden Schweigsame plötzlich redselig - und viele rundherum werden den Kopf schütteln und fragen: »Na, was ist denn jetzt in dich gefahren?«
In die JüngerInnen Jesu ist - so der biblische Befund - der Heilige Geist gefahren, in Form von Feuerzungen und Sturmgebraus. Und hat sie hinaus gespült auf die Dächer der Häuser und in die Straßen der Stadt. Und so als ob Schleusen eines Staudammes aufgemacht würden, ist es aus ihnen herausgesprudelt ... Die ganze Verzweiflung und Trauer der letzten Tage, der Frust über den Tod Jesu, und die Angst vor denen, die ihn ans Kreuz gebracht hatten - alles wird hinweg geschwemmt von dem drängenden Wunsche, jetzt endlich einmal erzählen zu dürfen. Raus zu lassen, was bewegt, loszuwerden, was im Inneren brodelt, klar zu bekommen, wie und wohin es weitergehen soll. Und siehe da, die Menschen schütteln nicht nur erstaunt den Kopf über diese paar schrägen Vögel, viele beginnen zu verstehen, lassen sich berühren, obwohl sie eigentlich eine ganz andere Sprache sprechen ...
In unseren Breiten ist Begeisterung eher Sache der Jungen. Bei kleinen Mädchen und Buben freuen wir uns, weil sie so leicht zu begeistern sind. Jugendliche Begeisterung wird eher skeptisch beäugt, weil deren Ausdrucksformen meist fremd und seltsam wirken und der Wunsch, der Nachwuchs möge endlich erwachsen werden, zunimmt. Und bei den Erwachsenen? Da erwartet man sich viel Verinnerlichung und Contenance: Stille Begeisterung ist ok. Aber singend und tanzend durch die Straßen laufen darf man höchstens im Fasching, bei der LOVE-Parade und vielleicht noch in betrunkenem Zustand nach einem Fußballmatch. Einfach so Begeisterung zu zeigen, wirkt meist megapeinlich ...
In der Tat - Skepsis ist nicht unangebracht, wenn Begeisterung Menschen fortzureißen droht: Kriegsbegeisterung z.B. oder Fanatismen aller Art. Wo immer Führer auftreten, lassen sich Menschen manipulieren und mobilisieren. Emotionale Berührtheit ist das eine - die kritische Prüfung und Unterscheidung der Geister, die uns treiben, ein anderes. Nicht jede(r), die oder der »Halleluja!« schreit - ist schon ein(e) Nachfolger(in) Jesu. Nach unserer Zeitrechnung liegen 50 Tage zwischen Ostern und Pfingsten. Es ist anzunehmen, dass die Jünger(innen) Jesu einen vergleichbaren Zeitraum gebraucht haben, um das, was sie mit Jesus erlebt hatten, zu verarbeiten, zu prüfen, zu sortieren. Und erst dann sind sie losgezogen, um die Frohe Botschaft anderen zu verkünden ...
Schau, ein begeisterter Mensch!
Sucht passende Bilder aus Zeitschriften, sammelt Videomaterial (z.B. Nachrichten im Fernsehen) oder probiert mal selbst begeisterte Menschen zu fotografieren.
Wenn einiges Bildmaterial beisammen ist - geht daran zu sortieren:
Otto Kromer ist Bildungsreferent der Katholischen Jungschar Österreichs